PRESSESTIMMEN

 

Heilbronner Stimme 26.03.2003
von Michaela Adick

TIMING IST DIE HALBE MIETE

Die Gitarrre zirpt, der Kontrabass brummt. Da schlägt jemand Alarm. Junge Hühner sind im Anflug.
Vulgo: flatterhafte Mädels kommen.
Der alte Weather-Report Mann Jaco Pastorius wäre stolz gewesen auf diese eigenwillige Jazz Duo vom Niederrhein. Wie sich der Gitarrist Frank Does und sein Kontrabassist Reinhard Glöder im von der VHS Heilbronn veranstalteten Konzert im Kaffeehaus Hagen an seinem "Chickens" abarbeiten, austoben, sich im fliegenden Wechsel die Soli zuschieben
und wieder abtricksen und auch noch beinahe nach Belieben das Tempo verschärfen: Das Jazz Duo TANDEM hat Klasse. "Was wir machen ist die intensivste Art Musik zu machen" meinen Does und Glöder ganz unbescheiden.
Symbiotisch gehen der Neusser Does und der Dormagener Glöder aufeinander ein, zwei gleich - berechtigte Instrumentalisten, die sich nichts vormachen, sondern nur ein Thema im Kopf haben: Die Sache mit dem richtigen Timing. "Timing ist die halbe Miete", so Reinhard Glöder, der mit diesem Wörtchen, das mehr als Zeitgefühl bedeutet, noch eine andere Assoziation verbindet. Denn Reinhard Glöder, der in seiner langen Karriere von Big Band Geschichten bis zum Free Jazz so ziemlich alles mitgemacht hat, hat noch ein zweites Standbein:
Kabarett. Mit Helge Schneider hat er gearbeitet, mit dem Kölner Kabarettisten Achim Konejung 1997 gar den deutschen Kabarettpreis abgeräumt.
Mit Does, dem Mann an der verstärkten Gitarre, dem Komponisten von Latin-angehauchten Themen - musiken, intelektuell verbrämten Umweltgeschichten
und Weltmusiken zwischen Indien und europäischer Renaissance, steht ein zweiter Grenzgänger auf der Bühne im Hagen.
Frank Does malt: filigrane Arbeiten mit China-Tusche.
Da haben sich zwei gesucht und gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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WZ, Montag, 19. Februar 2001

TANDEM ließ am Samstag das "Bärlin`s" zum Jazz-Klub werden Kempen: Zuhörer wippten am Samstag bei Bier und Zigaretten zu der Musik von Frank Does und Reinhard Glöder. Der Gitarrist Künstler und Songwriter Frank Does überzeugte mit einem relaxten Gitarrensound und federnden Latin-Rhythmen auf der akustischen und E-Gitarre. Der Bassist Reinhard Glöder war voll rhythmischer Anstöße, sang seine Soli in der besten Tradition eines Slam Stewards mit. Und nicht zuletzt die heitere Conference der beiden trug maßgeblich zur angenehmen Stimmung des Abends bei. Auf dem Programm standen überwiegend eigene Kompositionen und einige Jazz-Standards. Villa-Lobos Interpretation des "Little Train" -das Stück wurde nach einer Rückkopplung und erneutem Anfang zum "Fast Little Train" - sowie Bekanntes zum Mitsingen("Lady Bird", "Sunny")konnten das aufmerksame Publikum gewinnen. Die von 1984 stammende Komposition "Belo Horizonte" eröffnete den südamerikanischen Latin-Reigen, während "Rainbow Warrior" in der melodiös und songorientierten Tradition amerikanischer Songwriter stand. In "On the River" konnte man sich im gleißenden Licht des Yukon-River entspannen, Im "Swedish Morning" mußte man die Melodie einfach mitsummen. Als Komponist hat Frank Does seine eigene Sprache und musikalische Geschlossenheit gefunden. Die 99 Takte des "Magic Circle" überzeugten mit spannenden Harmoniewechseln. Die "Jazz-Polizei" wäre auch mit der Interpretation der Standars einverstanden gewesen. Die Vielseitigkeit des Basses- mal schnarrend, knarrend, mal brummend und singend, gestrichen, gezupft, geschlagen- wurde im modernsten Stücke des Abends, dem Bass-Solo op. 45, Nr. 2aus dem Liederzyklus "Der Jäger weiß Bescheid" witzig vorgeführt. Bewundernswert war hier vor allem der Flageolett-Minimalismus. Mit gelungenem Witz vorgebracht läßt sich auch Modernes an den Zuhörer bringen. Dies wurde auch bei "Shades" demonstriert. Das modal gehaltene Stück demonstrierte den Unterschied zwischen Jazz- und Ethno-Musikern: Erstere werden nervös, wenn nach vier Takten noch kein Akkordwechsel erfolgt, Letztere, wenn schon nach vier Takten etwas Neues kommt. Der Abend war eine gelungene Werbeveranstaltung für das Duo "Tandem" und für Jazz in Kempen.